Bergsteigerlektionen

Das Jahr steckt noch in seinen Kinderschuhen, als sich nach dem Winter der erste Sonntag ankündigte, der sich seines Namens würdig erweisen sollte… Das dachte sich zumindest der spontan zum Poeten mutierte Optimist in mir. So geschah es also, das ich meine Kameratasche vollstopfte und mich an eben diesem Sonntag auf den Weg zum Walberla machte. Und tatsächlich befeuerten strahlender Sonnenschein und blauer Himmel bis dahin meine Erwartung, nach langer Durststrecke endlich mal wieder mit einer schönen Ausbeute an Landschafts-Fotos nach Hause zu kommen.

Am Ar*** die Waldfee. Kaum bin ich am Forchheimer Ortsschild vorbei, schiebt sich ein grundsolider Wolkenteppich vor die Sonne. Davon nur mäßig begeistert biege ich kurz darauf in die Straße Richtung Parkplatz ein, als sich der nächste „Teppich“ vor mir ausrollte… Ein Teppich von Spaziergängern und Touristen. o.O

Gut. Dass am ersten sonnigen Wochenende viele Exemplare dieser Gattung aus ihren Höhlen kommen, da hätte ich auch früher drauf kommen können. Aber was solls. Den Menschenmassen und der durch Weihnachtsvöllerei erhöhten „Schwerkraft“ zum trotz, kämpfe ich mich zum Gipfel empor.

Dort angekommen war schnell klar, dass ich mich von meinen Erwartungen endgültig verabschieden konnte. Nach einer kurzen Test-Session mit einem „preiswerten“ ND-Filter – dazu ein anderes mal mehr – hatten sich sowohl Wolken- als auch Menschenteppich weiter verfestigt und jedes ansatzweise spannende Licht war verschwunden. Kein Blatt an den Bäumen, kein Model dabei und der formschöne Bauzaun um die kleine Kapelle half auch nicht… Nur ein paar vereinzelte, sich durch die Wolken quälenden Sonnenstrahlen konnten mich noch motivieren, ein Weilchen länger zu bleiben und nach interessanten Motiven zu suchen…

Miese Ausbeute möchte man meinen, aber den Umständen entsprechend bin ich eigentlich ganz zufrieden. Zum einen hab ich endlich mal wieder meinen Hintern aus dem Haus bekommen, und zum anderen zwingt einen so eine *Achtung Wortspiel* „aussichtslose“ Situation dazu, nach ganz anderen Blickwinkeln zu suchen. Und das ist es ja schließlich, was ich mir auf die Fahne schreib. Nicht die schlechteste Lektion, die man von so einem Trip mitnehmen kann. ^^

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