Hätte man mir in meiner Schulzeit erzählt, dass ich mal an einem Sportleraustausch mit einer Südfranzösischen Kleinstadt teilnehmen würde, dann läge meine Reaktion vermutlich irgendwo zwischen hysterischem Gelächter und panischem Davonrennen.

Zum Glück beschränkte es sich nur auf eine irritiert angehobene Mr. Spock Augenbraue, als mich ein Kumpel ein paar Jahre später gefragt hat, ob ich nicht mal bei dem Spaß mitmachen will.

Die Tatsache, dass ich nur bedingt glaubwürdig als Sportler durchgehen würde, konnte nach anfänglicher Skepsis meinerseits schnell durch eine Gastrolle im nahegelegenen Schützenverein umgangen werden.

Die Tatsache, dass sich meine Französisch-Kenntnisse seit der Schule in rekordverdächtigem Tempo in Luft aufgelöst haben, muss ich damals mit dem Irrglauben an vorhandene Englisch-Kenntnisse bei unseren Gastgebern verdrängt haben.

Und die Tatsache, dass ich diesen Beitrag erst ungefähr ein Jahr später schreibe, lässt mich zum einen meine Work-Life-Balance hinterfragen, und erklärt zum anderen, warum ich nach 5 Absätzen immernoch an der Origin-Story tippe, während versuche, mich an den Trip zu erinnern.

In meinem jugendlichen Leichtsinn sagte ich also zu, und habe es seitdem nicht bereut. Inzwischen war es schon der dritte Besuch in Biscarosse, und so viel kann ich sagen: Ich musste diesmal weder auf einer Sanddüne einem Volleyball hinterher rennen, noch hatte ich einen fetzen Portwein-Kater.

Dafür durfte ich meinem (aus gutem Grund) leicht depressiven, dafür aber trotzdem ein bisschen zu schwer bewaffneten Ex-Militär-Gastgeber helfen, neue Tomaten in seinem Garten zu pflanzen. Irgend ein Highlight gibt’s halt immer.

Ansonsten ist vieles beim Alten geblieben. Viele bekannte Gesichter, viele bekannte Locations, viele Ausflüge und ein vollgepacktes Programm. Nur die teilnehmende Jugend-Sportmannschaft ist jedesmal eine neue, und lässt mich zunehmend daran zweifeln, das irgendjemand in Zukunft mal meine Rente bezahlen wird… naja.

Es hat jedenfalls gut getan, sich mal wieder aus dem Alltag auszuklinken. Denn man tauscht bei sowas ja nicht nur Geschichten aus, sondern im Idealfall die ganze Lebensweise.

Abgesehen vom obligatorischen Sightseeing – unter anderem in Form von Ölförderanlagen – nimmt man schnell den örtlichen Rhythmus an, gibt sich der südländischen Interpretation von Ausflugsplanung hin, und akzeptiert, dass es normal ist, sich vor jedem Essen erstmal ordentlich Chips, Schnaps und Whisky reinzuscheppern.

Dieser Text sollte ja eigentlich schon Überzeugung genug sein. Aber wenn sich so eine Gelegenheit ergibt, kann ich wirklich jedem nur empfehlen, sich mal auf darauf einzulassen – egal wie groß die Sprachbarriere ist. Das ist eine Erfahrung, die man so definitiv bei keinem Reisebüro buchen kann.

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